TL;DR
Zink trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei. Bei nachgewiesenem Zinkmangel kann eine Supplementierung die Testosteronwerte normalisieren – Studien zeigen Anstiege von 10–30 % innerhalb von 3–6 Monaten. Bei ausreichender Zinkversorgung sind keine zusätzlichen Effekte messbar.
Warum Zink für den männlichen Hormonstoffwechsel relevant ist
Zink ist ein essentielles Spurenelement, das zur normalen Testosteronbildung beiträgt. Diese Aussage ist als EU-Health-Claim zugelassen und basiert auf der Rolle von Zink als Cofaktor enzymatischer Prozesse in der Hormonsynthese. Zink ist keine „Booster"-Substanz, sondern eine biochemische Voraussetzung für die normale Funktion der Testosteronproduktion.
Im männlichen Körper ist Zink an der Regulation der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (HHG-Achse) beteiligt, dem zentralen Regelkreis der Testosteronproduktion. Es wirkt als Cofaktor für Enzyme, die an der Steroidhormon-Synthese beteiligt sind, und beeinflusst die Aktivität von Aromatase, einem Enzym, das Testosteron in Östrogen umwandelt. Laut Lohmann Minerals spielt Zink eine „zentrale Rolle im Stoffwechsel und bei der Hormonproduktion".
Die Bedeutung von Zink zeigt sich besonders dann, wenn die Versorgung unzureichend ist: Ein Zinkmangel beeinträchtigt die Hormonproduktion messbar, während eine ausreichende Zufuhr die normale Funktion ermöglicht. Bei bereits normalem Zinkstatus führt eine erhöhte Zufuhr nicht zu weiteren Verbesserungen – das ist der entscheidende Unterschied zwischen „Grundversorgung" und „Optimierungsversuch".
Zinkmangel und Testosteron: Was ist bekannt?
Ein Zinkmangel senkt die Testosteronwerte messbar – eine Supplementierung kann diese wieder normalisieren. Die Studienlage ist eindeutig: Bei Männern mit nachgewiesenem Zinkmangel führt eine Supplementierung (25 mg/Tag über 3–6 Monate) zu einer Normalisierung der Hormonwerte. Eine Meta-Analyse aus 2018 dokumentierte Anstiege von durchschnittlich 10–30 % bei zuvor niedrigen Werten. Bei Männern mit normalem Zinkstatus bleiben diese Effekte aus.
Die praktische Bedeutung: Wenn deine Zinkversorgung unzureichend ist – etwa durch vegetarische Ernährung, intensives Training oder altersbedingt reduzierte Aufnahme –, kann eine gezielte Supplementierung deine Testosteronwerte in den Normalbereich heben. Die Plattform mybacs weist darauf hin, dass „ein niedriger Testosteronspiegel verschiedene Ursachen haben kann" – Zinkmangel ist eine mögliche Ursache, aber nicht die einzige.
Wer ist besonders gefährdet für Zinkmangel?
Zinkmangel ist in Deutschland selten, kann aber bei bestimmten Risikogruppen auftreten:
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Vegetarier und Veganer: Phytate in pflanzlicher Nahrung hemmen die Zinkaufnahme
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Ältere Männer: Die Resorption nimmt mit dem Alter ab
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Sportler: Intensives Training erhöht Zinkverluste über Schweiß
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Chronische Erkrankungen: Entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes, Nierenerkrankungen
Ein diagnostizierter Zinkmangel sollte ärztlich abgeklärt werden. Die Studienlage zeigt: Die positive Wirkung einer Zink-Supplementierung ist an das Vorliegen eines Mangels gebunden. Eine „vorsorgliche" Supplementierung bei normalem Status zeigt keine hormonellen Effekte.
Wie viel Zink benötigt der Körper täglich?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für erwachsene Männer eine tägliche Zinkzufuhr von 11 bis 16 mg, abhängig von der Phytat-Zufuhr über die Ernährung. Diese Referenzwerte basieren auf der Menge an Zink, die notwendig ist, um normale Körperfunktionen aufrechtzuerhalten.
Die Empfehlung unterscheidet sich je nach Ernährungsweise:
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Niedrige Phytat-Zufuhr (überwiegend tierische Ernährung): 11 mg/Tag
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Mittlere Phytat-Zufuhr (gemischte Ernährung): 14 mg/Tag
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Hohe Phytat-Zufuhr (vegetarisch/vegan): 16 mg/Tag
Phytate sind pflanzliche Verbindungen (z. B. in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten), die Zink im Darm binden und die Aufnahme reduzieren können. Eine höhere Zufuhr kompensiert diese verminderte Bioverfügbarkeit.
Wichtige Dosierungsgrenzen
Die Tolerable Upper Intake Level (UL), also die sichere Obergrenze, liegt laut EFSA bei 25 mg Zink pro Tag für Erwachsene. Langfristige Zufuhren über 40 mg/Tag können die Kupferaufnahme stören und das Immunsystem beeinträchtigen.
Der zugelassene Health Claim „Zink trägt zu einem normalen Testosteronspiegel im Blut bei" gilt ab einer Mindestmenge von 1,5 mg Zink pro Tagesdosis eines Nahrungsergänzungsmittels (15 % des Referenzwerts). In Studien, die positive Effekte bei Zinkmangel zeigten, wurden typischerweise 15–25 mg/Tag verwendet.
Zink über Ernährung vs. Nahrungsergänzung
Eine ausgewogene Ernährung deckt bei den meisten Männern den Zinkbedarf – eine Supplementierung ist bei nachgewiesenem Mangel oder erhöhtem Bedarf relevant. Zink kommt in verschiedenen Lebensmitteln vor, wobei tierische Quellen eine höhere Bioverfügbarkeit aufweisen als pflanzliche.
Zinkhaltige Lebensmittel
Tierische Quellen (hohe Bioverfügbarkeit):
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Austern: 22 mg / 100 g
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Rindfleisch: 4–8 mg / 100 g
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Leber (Rind): 5 mg / 100 g
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Eier: 1,5 mg / 100 g
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Milchprodukte: 1–4 mg / 100 g
Pflanzliche Quellen (niedrigere Bioverfügbarkeit):
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Kürbiskerne: 7 mg / 100 g
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Haferflocken: 4 mg / 100 g
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Linsen: 3,5 mg / 100 g
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Nüsse: 2–4 mg / 100 g
Die Bioverfügbarkeit aus tierischen Quellen liegt bei 30–50 %, aus pflanzlichen Quellen bei 10–20 % (aufgrund von Phytaten). Vegetarier und Veganer sollten daher auf eine höhere Zufuhr achten.
Wann ist eine Supplementierung sinnvoll?
Eine Zinkergänzung kann die Testosteronwerte normalisieren bei:
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Nachgewiesenem Zinkmangel (ärztlich diagnostiziert oder durch Bluttest)
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Vegetarischer/veganer Ernährung (erhöhter Bedarf durch Phytate)
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Intensivem Training (erhöhte Zinkverluste über Schweiß)
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Älteren Männern (reduzierte Resorption ab ~50 Jahren)
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Unzureichender Zufuhr über Ernährung (< 11 mg/Tag)
Wichtig ist, dass Mikronährstoffe wie Zink im Kontext von Lebensstil und Ernährung betrachtet werden müssen – eine isolierte Supplementierung ohne Anpassung der Ernährung oder Routinen ist weniger effektiv.
Bioverfügbarkeit verschiedener Zinkformen
Die chemische Form beeinflusst die Aufnahme erheblich:
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Zinkgluconat: ~60 % Bioverfügbarkeit, gut verträglich
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Zinkpicolinat: ~60–70 % Bioverfügbarkeit, hohe Stabilität
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Zinkbisglycinat (Chelat): ~60–70 % Bioverfügbarkeit, magenschonend
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Zinkoxid: ~10–20 % Bioverfügbarkeit, häufig in Billigprodukten
Die Form ist oft wichtiger als die Dosierung: 15 mg Zinkgluconat liefern mehr verfügbares Zink als 25 mg Zinkoxid.
Zink und Kinderwunsch: Wissenschaftliche Einordnung
Zink trägt zu einer normalen Reproduktion (Fortpflanzung) bei – dieser zugelassene Health Claim bezieht sich auf die normale Funktion der Spermienproduktion und -qualität. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt, dass Zink für die Spermatogenese (Spermienbildung) notwendig ist und bei Zinkmangel die Spermienqualität messbar beeinträchtigt sein kann.
Zink ist für die Spermienreifung essentiell, da es die Zellmembranstabilität und DNA-Synthese unterstützt. In unserem Interview zur Testosterondiagnostik erklärt Dr. Pfeiffer den Zusammenhang zwischen Mikronährstoffstatus und männlicher Fruchtbarkeit im Detail. Studien zeigen konkrete Verbesserungen bei Zinkmangel: Eine Supplementierung mit 25 mg/Tag über 3 Monate kann bei Männern mit niedrigen Zinkwerten die Spermienzahl um 10–20 % und die Beweglichkeit um 15–25 % verbessern.
Was bedeutet das praktisch?
Bei Kinderwunsch ist Zink relevant, wenn:
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Die Spermienqualität eingeschränkt ist (ärztlich festgestellt)
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Ein Zinkmangel diagnostiziert oder vermutet wird
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Die Ernährung unzureichende Zinkmengen liefert
Wichtig: Bei normalem Zinkstatus sind keine zusätzlichen Verbesserungen der Spermienqualität durch höhere Zinkzufuhr nachweisbar. Zink ist ein Faktor unter vielen – Alter, Lebensstil, Stressbelastung und weitere Nährstoffe spielen ebenfalls eine Rolle.
Woran sich die Qualität von Zinkpräparaten unterscheidet
Die Qualität eines Zinkpräparats hängt von chemischer Form, Dosierung, Reinheit und Herstellungsverfahren ab. Folgende Kriterien helfen bei der Einordnung:
1. Chemische Form (Bioverfügbarkeit)
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Hochwertig: Zinkgluconat, Zinkpicolinat, Zinkbisglycinat (60–70 % Bioverfügbarkeit)
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Minderwertig: Zinkoxid, Zinksulfat (10–30 % Bioverfügbarkeit)
2. Dosierung
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Sinnvoll: 15–25 mg elementares Zink pro Tagesdosis
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Zu niedrig: < 10 mg (unter studienbelegter Wirkdosis)
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Zu hoch: > 40 mg (Risiko für Kupfermangel, gastrointestinale Nebenwirkungen)
3. Reinheit und Zusatzstoffe
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Hochwertig: Minimal verarbeitete Rohstoffe, keine unnötigen Füllstoffe
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Minderwertig: Viele Füllstoffe, künstliche Farbstoffe, undefinierte „pflanzliche Extrakte"
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Zu vermeiden: Magnesiumstearat in hohen Dosen, Titandioxid
4. Herstellungsqualität
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Zertifizierungen: GMP (Good Manufacturing Practice), ISO 22000, HACCP
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Laboranalysen: Unabhängige Prüfung auf Schwermetalle, Lösungsmittelrückstände
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Transparenz: Herkunftsangaben, Chargen-Nummer
5. Verpackung und Lagerung
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Lichtgeschützte Verpackung (Braunglas, Blister)
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Trocken und kühl (Zink ist empfindlich gegenüber Feuchtigkeit)
Entscheidend: Eine hohe Milligramm-Zahl ist kein Qualitätsmerkmal. 15 mg Zinkbisglycinat sind effektiver als 50 mg Zinkoxid. Die chemische Form und Bioverfügbarkeit bestimmen, wie viel Zink tatsächlich im Körper ankommt.
Einordnung im Gesamtkontext der Männergesundheit
Zink ist ein wichtiger Baustein im komplexen System der Hormonregulation – aber nur einer von vielen. Die Testosteronproduktion ist abhängig von zahlreichen Faktoren, die miteinander interagieren:
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Schlaf: Die HHG-Achse ist zirkadianen Rhythmen unterworfen. Testosteron wird primär während des Tiefschlafs produziert. Chronischer Schlafmangel reduziert die Hormonproduktion unabhängig vom Zinkstatus.
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Stress: Chronisch erhöhtes Cortisol (Stresshormon) hemmt die Testosteronproduktion direkt. Zink kann diesen Mechanismus nicht kompensieren.
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Bewegung: Krafttraining stimuliert die Testosteronproduktion akut. Übertraining hat den gegenteiligen Effekt.
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Ernährung: Energiebilanz, Proteinzufuhr und gesunde Fette sind für die Hormonproduktion wichtiger als einzelne Mikronährstoffe.
Im Wissensbreich Nährstoffe wird erklärt, warum Mikronährstoffe im Kontext von Lebensstil und Routinen betrachtet werden müssen.
Der Wissensbereich Testosteron ordnet die hormonellen Regelkreise im Detail ein.
Der Wissensbereich Routinen zeigt, wie Schlaf, Stress und Bewegung die Basis für hormonelle Gesundheit bilden.
Die realistische Einordnung
Wenn du einen Zinkmangel hast, kann eine Supplementierung deine Testosteronwerte spürbar verbessern (10–30 % Anstieg). Wenn dein Zinkstatus bereits normal ist, bringt mehr Zink keine zusätzlichen Vorteile. Die Vorstellung, ein einzelner Nährstoff könne komplexe hormonelle Dysbalancen „beheben", entspricht nicht der wissenschaftlichen Realität – aber die korrigierende Wirkung bei Mangel ist gut belegt und praktisch relevant.
FAQ
Kann Zink den Testosteronspiegel erhöhen?
Ja, aber nur bei vorhandenem Zinkmangel. Studien zeigen, dass eine Supplementierung mit 15–25 mg/Tag über 3–6 Monate bei Männern mit Zinkmangel zu Anstiegen von 10–30 % führen kann. Bei normalem Zinkstatus sind keine weiteren Effekte messbar. Die Wirkung ist eine Normalisierung, keine unbegrenzte Steigerung.
Kann man zu viel Zink aufnehmen?
Ja. Die sichere Obergrenze liegt bei 25 mg pro Tag (EFSA). Langfristige Zufuhren über 40 mg können die Kupferaufnahme stören, das Immunsystem beeinträchtigen und gastrointestinale Nebenwirkungen verursachen. Eine Überdosierung ist besonders bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer zinkhaltiger Präparate möglich.
Wie lange dauert es, bis Zink wirkt?
Bei nachgewiesenem Zinkmangel sind erste messbare Verbesserungen der Testosteronwerte nach 6–8 Wochen zu erwarten, die maximale Wirkung zeigt sich nach 3–6 Monaten regelmäßiger Einnahme. Die Spermienqualität verbessert sich ebenfalls innerhalb von 3 Monaten (Dauer eines Spermienzyklus).
Für wen ist eine Zink-Supplementierung besonders relevant?
Eine Zink-Supplementierung ist besonders relevant für:
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Vegetarier und Veganer (erhöhter Bedarf durch Phytate)
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Ältere Männer ab 50 (reduzierte Resorption)
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Männer mit intensivem Training (erhöhte Zinkverluste)
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Männer mit Kinderwunsch und eingeschränkter Spermienqualität
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Männer mit diagnostiziertem Zinkmangel oder niedrigen Testosteronwerten
Bei ausgewogener Ernährung und normalem Zinkstatus ist eine Supplementierung nicht erforderlich.
Letzte fachliche Überprüfung: 2025
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